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DIE HERKUNFT DES WIENER WALZER?
Der Wiener Walzer hat bestimmt von allen Gesellschaftstänzen die größte und längste Tradition. Sein Name kommt übrigens von dem deutschen Wort »waltzen« und bezieht sich auf die drehenden Bewegungen der Beine, die über den Boden schleifen (Dreher, Schleifer). Mit seinen Vorläufern lässt sich der Walzer bis ins 12. und 13. Jahrhundert, die Minnesängerzeit, zurückverfolgen. In dem deutschen »Springtanz«, der als ungeradtaktiger Tanzteil dem zweitaktigen, geschrittenen Vortanz folgte, kann man den Anfang des Walzers erkennen. Die meisten Tanzhistoriker führen den Walzer auf den alten Dreher oder Ländler ab dem" 16. Jahrhundert zurück. In Süddeutschland und in Österreich wurde er vom Volk ohne Tanzmeister getanzt. Es war ein Rundtanz im 3A- oder 3/s-Takt, bei dem sich die Paare umfassten und um sich selbst drehten, wobei sie einen imaginären Mittelpunkt umkreisten. Dieser langsame Tanz wurde bis Anfang dieses Jahrhunderts in Stadt und Land getanzt. Eine zweite Version sieht die Entstehung des Walzers in dem sog. »Langaus«, einem Tanz, bei dem die Tänzer einen sehr langen Raum mit den wenigsten Drehungen zu durchtanzen hatten. Die fortwährenden Verbote der Obrigkeit bis ins 18. Jahrhundert waren gegen diesen Tanz ge¬richtet. Bestraft wurde das Verdrehen, »das Herumschwenken und Wirbeln, das Hochwerfen und Umstoßen« der Partnerin.
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Um ca. 1755 findet sich das Wort »walzen« als Tanzform in einer Wiener Stegreifkomödie. 1770 berichtete Johann Wolfgang von Goethe über seine Erfahrungen mit dem »deutschen Tanz« und 1782 veröffentlichte Carl von Zangen das Buch »Etwas über das Walzen«. Aufsehen erregten 1787 vier Personen, die in Wien bei der italienischen Oper »Una cosa rara« den ersten Walzer tanzten; allerdings wird bezweifelt, dass dort der Walzer »kreiert« wurde. Am preußischen Hof lernte man 1794 den Walzer, so auch die spätere Königin Luise von Preußen, die allerdings nicht davon entzückt war und ihn verbot (in Berlin galt das Verbot bis 1918). Dagegen wurde er auf Münchner Tanzveranstalltungen gespielt und getanzt. Seinen Siegeszug trat der Walzer nach dem Wiener Kongress (1815) an. Nicht wenig daran beteiligt waren die berauschenden Walzermelodien von Lanner und der Strauß-Dynastie.
Der Wiener Walzer, bestehend aus sechs Schritten auf zwei 3/4-Takte verteilt und mit einer vollständigen Drehung verbunden, setzte sich durch, allerdings mit der damals noch üblichen Ballett-Technik. Deutschland blieb der Mittelpunkt des Walzergeschehens bis in die zwanziger Jahre, als dann generell für ca. ein Jahrzehnt ein Walzersterben zugunsten moderner, dynamischer Tanzformen einsetzte. In England war der Wiener Walzer nie heimisch geworden. Als Volkstanz wurde der Walzer mit Beginn der dreißiger Jahre vor allem im Dritten Reich in Deutschland und Österreich wieder entdeckt. Der österreichische k.u.k. Offizier und Tanzlehrer Karl von Smirkowitche machte den Wiener Walzer wieder gesellschafts- und turnierfähig. Dem Nürnberger Tanzlehrer Paul Grebs ist es zu verdanken, dass 1951 die Verbindung von der altösterreichischen Walzertradition und dem englischen Stil hergestellt und der Wiener Walzer als gleichberechtigter Standardtanz anerkannt wurde. Die von ihm niedergelegte Technik wurde im Laufe der Jahre vom Fachausschuss Tanz des ADTV mehrmals geringfügig revidiert
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